Goethemeinfreude

Über

Goethe: Die Freude


Es flattert um die Quelle

Die wechselnde Libelle,

Mich freut sie lange schon;

Bald dunkel und bald helle,

Wie das Chamäleon,

Bald rot, bald blau,

Bald blau, bald grün.

"O daß ich in der Nähe

Doch ihre Farben sähe!"

 

Sie schwirrt und schwebet, rastet nie!

Doch still, sie setzt sich an die Weiden.

"Da hab' ich sie! Da hab' ich sie!"

Und nun betracht' ich sie genau,

Und seh' ein traurig dunkles Blau.

 

So geht es dir, Zergliedrer deiner Freuden!

Alter: 59
aus: Weimar
 


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Goethe Denken und Vergessen

Goethe

Alles was diesem Goethe zugeschrieben oder angedichtet wird. So viele Dichter wünschen sich das dieser Goethe doch nie gelebt hätte. Bleibt diese Frage hat dieser deutsche Dichter so gelebt? Hat er so gelebt wie er beschrieben wird? Germanisten und Historiker schreiben über Goethe wichtige Texte die gleich von abertausenden Goetheverehrern in aller Welt Hymnisch aufbereitet werden. Goethe also ein Machwerk von banausisch buorguasisch gebildeten Möchtegernintellektuellen? Goethe ein Machwerk von abertausenden Möchtegerngoethes Genauso ein Machwerk wie Sokrates ein Machwerk Platons ist und Christus ein Machwerk seiner Evangelisten-Jünger ist? Hat dieser Goethe wie wir ihn nun kennen so existiert? Unrealistisch überbewertet. Solch einen Menschen gibt es nicht gab es nie. Alles Götter. Ich liebe Goethes Schriften aber ich bedaure jeden Buchstaben der Goethebiographen die sich sowenig unterscheiden von den Verehren von Tokio Hotel von denen sie sich doch so sehr abgegrenzt wissen wollen. Über allen Gipfeln ist Ruh oder Durch den Monsun oder Beides; wie Aristoteles schreibt: Belehren oder erfreuen oder Beides? Goethe der Superstar Es gibt wohl keinen Kitsch auf dieser Welt für den er nicht schon Modell gestanden hat. Goethes Kunst verkam zum Kult zur bloßen Kultur. In aller Welt verkauft als Angehöriger eines intelligenten Volkes, einer Goethischen Rasse, Buchenwald und Weimar die deutschen Klassiker nach denen keine Dichtung mehr möglich sein soll? Sollten wir uns einen Deutschen wünschen können, der nicht gelebt hätte, so müsste es Goethe sein.

1 Kommentar 9.10.10 16:02, kommentieren

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Goethe Denken und Vergessen

Denken und Vergessen.

Goethe – ziehen wir ihm einmal den romantischen Zahn. Wollen wir ihm seine Frauengeschichten nicht vorwerfen, das machen wir bei Brecht, Benn, Celan auch nicht. Das Geld, die Macht. Sicher nicht sehr romantisch. Einer der sehr wenigen Dichter, denen selbst zu Lebzeiten ein reiches Vermögen zur Verfügung stand. Das hilft beim Dichten und bei der Freiheit zu Dichten enorm. Das schafft Freiräume. Schafft dem Dichter alle Verbindungen und Beziehungen spontan zu entfliehen. War Herr von Goethe im Sinne von H. M. Enzensberger ein Eskapist? Warum nicht, würde er sagen, bei diesem Sauwetter. Nein, Sauwetter würde er nicht aussprechen, dazu war er eben zu sehr Romantiker. Aber ein Stürmer und Drängler zum Eskapismus. Außerdem war er auf Sauwetter hervorragend ausgestattet. Die Dichter um 1800 als Erzieher lehrten uns nicht nur das Wissen und denken, sondern das des Vergessenkönnen. Für Goethe hatten die Romantiker noch ein zu kurzes Gedächtnis und selbst suizidgefährdet glaubte er, wer das Erinnern nicht fälscht, kann nicht überleben, wer handeln will muss vergessen können. Sein Faust war geradezu eine Orgie des Vergessens. Eine besondere Fähigkeit unseres Denkens ist eben nicht zu denken. Eine Zwangshemmung des Denkens. Nicht zu denken, dass wir denken. Das Denkbare ist bereits geschehen und gleichzeitig verstanden. Es ist nicht unbedingt sofort durch einfaches Nachdenken abrufbar. Die Formulierung lautet: dass wir beim Sprechen Vernünftiges voraussetzen. Demgegenüber steht die Frage nach den Absichten der Kommunikation. Es gilt den herauszufinden (Versuch) was der andere gemeint hat. Dies scheint scheinbar ein Widerspruch. Man kann nicht gleichzeitig etwas vernünftig sagen aber andererseits auch nur daraufhin urteilen, was gemeint wurde. Dies ist aber beim Sprechen alltäglich. Scheint nur als ein Widerspruch. Es entsteht nicht der kleinste Ansatz, dass man nicht sprechen kann. Wer schweigt, staunt. So kann es doch passieren, das in zwei völlig unterschiedlichen Zeiten, an völlig verschiedenen Orten, zwei Dichter, ohne voneinander zu kennen, oder voneinander zu wissen, ein völlig identisches Gedicht dichten. So steht doch der Widerspruch der Behauptung, dass beide das gleiche Gedicht geschrieben hätten. Worin besteht nun der Unterschied zwischen beiden Gedichten? Das Gedicht scheint nur ein Gleiches. Wenn wir ein Gedicht haben, so haben wir vor uns Wörter. Eine Ansammlung von Worten. Diese Worte sind eine Reihe von Artefakten. Sie sind Fakten und als künstlich hergestellte Fakten, sind sie somit Artefakte. Mit dem Sprechen klettert man eine Leiter hinauf (sic). Das Problem dabei ist, wenn einer bereits sehr hoch auf der Leiter ist, und muss nun entweder von oben sprechen, was verständlich Probleme macht, oder er steigt herunter, was eine Verständigung erschwert. Es gibt Sprache diesseits der Rede oder jenseits, anders ist Sprache nicht, also Nonsens. Das der Hörende „etwas anderes denkt als der Redende“ ist in einer wissenschaftliche Anforderung ausgeschlossen. Meine Theorie Schwaigen sagt aber, das der Hörende etwas anderes denkt, als er hört und der Redende redet, als müsste er das was er denkt, übersetzen. Der Redende denkt etwas anderes, als er redet. (Wenn der Redende während der Rede aus dem Fenster sieht, redet er weiter, obwohl er etwas anderes denkt) der Hörende denkt etwas anderes, als er hört. So klar und deutlich wie nur möglich ausdrücken. Diese Klarheit lässt eine größere Verständigung zum Redenden zu. Anderseits lässt dies weniger Spielraum für den Hörenden zu. Es ist so als würde das Essen vorher gequetscht. Es lässt sich leichter schlucken, aber man erkennt weniger, was vorgesetzt wurde, man schmeckt kaum noch Unterschiede und man hat nichts mehr zu kauen. Im Übrigen wäre eine wissenschaftliche Klarheit in der Quantenphysik wie auch in der Gettokanack möglich. Aristoteles ' Diktum heißt, dass nicht jeder Gegenstand ein gleiches Maß an theoretischer Präzision eröffnet. Der Philosophie der Sprache muss die Idee gegenübergestellt werden, dass bei der Verfolgung philosophischer Fragen, wir mit der Sprache beginnen und unseren Weg eröffnen. Meine Überzeugung ist, dass diese Haltung verantwortlich ist für die unfruchtbare Natur vieler zeitgenössischer analytischer Philosophie. Wenn wir mit Sprache beginnen und versuchen, ihren Weg nach außen zu arbeiten (uns zu äußern), werden wir nie außerhalb der Sprache treten. Was wir uns nicht denken könnten (Einhorn), das können wir uns real denken. Was wir uns real und klar denken können (Pferd), können wir uns nicht anders denken. Wir können uns also Marsmenschen in jeder Form vorstellen, wir können uns aber ein Dreieck oder einen Kreis nicht anders vorstellen.

Zukunft ohne Gedächtnis. Wozu noch Gedanken frag ich, wozu? Sprechen von Malen des Denkens. Erinnern? Woran frag ich, wozu? Immer dieses Nachdenken gegen alles Vergessen und Verinnern. Zukunft ohne Gedächtnis. Behalten wir aus unserer Kindheit. Die Türme stehen in Glut, die Kirche ist umgekehrt. Wozu noch Gedenken frag ich, wozu?

 

1 Kommentar 23.9.10 18:55, kommentieren

Goethe Gedicht: Die Freude

Die Freude


Es flattert um die Quelle

Die wechselnde Libelle,

Mich freut sie lange schon;

Bald dunkel und bald helle,

Wie das Chamäleon,

Bald rot, bald blau,

Bald blau, bald grün.

"O daß ich in der Nähe

Doch ihre Farben sähe!"

 

Sie schwirrt und schwebet, rastet nie!

Doch still, sie setzt sich an die Weiden.

"Da hab' ich sie! Da hab' ich sie!"

Und nun betracht' ich sie genau,

Und seh' ein traurig dunkles Blau.

 

So geht es dir, Zergliedrer deiner Freuden!

1 Kommentar 31.7.10 18:07, kommentieren

Faust - Der erste Satz

Der erste Satz Goethes Faust

 

Welchen anderen Satz könnte ich nennen, denn den, jenes Johann Wolfgang Goethes aus Faust: Hab nun, ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, Und leider auch Theologie! Durchaus studiert, mit heißem Bemühn. Da steh ich nun ich armer Tor! Und bin so klug als wie zuvor;“ Wie er weiter schreibt: und sehe das wir nichts wissen können! Wie auch Platon, Sokrates sagen lässt: ich weiß das ich nichts weiß! Das das Wissen weder gelehrt noch gelernt werden kann, das erklärt auch die Pisa Studie. Wissen ist nur, wie Sokrates im Theaitetos bemerkt, durch eine Hebammentechnik, hervorzuholen. Nur, was einem jeden vorhanden ist, kann wieder ans Licht gebracht werden. Goethe als unermüdlicher Autodidakt in Naturwissenschaften erkannt, wie er auch andere erkannte. In der Rektoratsrede „Goethe und kein Ende“: Goethes Arbeiten als tot geborene Spielereien“ während Goethe über Newton schrieb:“ bis zum Unglaublichen unverschämt“ und „barer Unsinns“. Nicht wissen, nicht lehren, nicht bessern, nicht bekehren, sagt Faust. Das wusste auch der Universalgelehrte Goethe. Stets von Privatlehrern geschult und sich selber, auch aufgrund seines Vermögens, Schulend durch Reisen oder dem Umgang mit gebildeten Menschen, stieg er, nicht nur bildlich, auf die Gipfel. Durchaus studiert kann man zurecht sagen; jedoch ohne einen Doktortitel und Abschluss. Das geht auch! Doch wollen wir vor der großen Persönlichkeit nicht sein Leben zerpflücken, vielmehr sein großes Werk loben.  Der Erste Satz; genau: Hab nun, ach!

1 Kommentar 31.7.10 17:55, kommentieren

Dichtet wie Goethe

Der dichtet wie Goethe

Der wie Celan

Der wie Benn

Und die wie die Bachmann

Oder wie Gänseblümchen

Wie nach Film und Frau

Dichtet wie Reim

Oder der Urvater Gleim

Dichtet auf der Stelle

Oder wie die Bachforelle

Lässt alles fließen

Den müsste man gießen

Dem fehlen die Worte

Den treibts zum Aborte

Hält sich für ein Licht

Aber schreibt kein Gedicht

 

Aachen, den 11.07.2007

© 2007    MANFRED H. FREUDE    Aachen

www.myblog.de/freude

 

 

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Kein Gleiches-Keine Ruh

Über allen Gipfeln ist keine Ruhe

/ kein Gleiches

 

Aachen, 2006-09-03

© 2006    MANFRED H. FREUDE

www.myblog.de/freude

von Manfred H. Freude

 

Der Dichter schreibt sein Gedicht noch einmal. Er erinnert.

Erinnert einer Begegnung von „Einmal“.

Ein Gleiches, notiert im Dunkelwerden des 6. Sept. 1780.

Am Krickelhahn in der Berghütte am 7. Sept. 1783 geschrieben.

Gedruckt in der Cotta Ausgabe 1815.

Neu erblickt am 27. Aug. 1831

und am 4. Sept. 1831 in einem Schreiben an Frau von Stein erwähnt. An eine Bretterwand notiert mit Bleistift.

War das nicht schon die zweite Begegnung  mit dem Gedicht? War dasselbe Gedicht nicht bereits vornotiert? Ins Reine, ins Unreine und nun als Denkmal, als Nachdenkmal, an diese Bretterwand notiert. Vielleicht, vielleicht auch nicht.

Wer war schon dieser Goethe, außer für uns Deutschen, ohne den wir nicht mehr Denken, geschweige denn Leben können.

 

Eingedenk des Erlebnisses der Bergbesteigung. Er, er der Gipfelstürmer. Der alles hinter sich lässt was niedrig und tief ist. Auch seine Liebe; eine seiner Lieben. Diese Festung. Weit entfernt ist diese Liebe und hier oben da sind nur die Vöglein. Wir wissen was sie tun, die Vögelein. Sie bauen ein Nest, hüpfen von Ast zu Ast und singen prächtig. Aber nun. Sie singen nicht mehr. Sie schweigen im Walde. Und Du? Wer ist dieses du, welches zunächst einmal warten soll. Ist es der Dichter? Der Leser? Vielleicht die Frau von Stein, die Festung? Warte nur. Warten, während die Vöglein schweigen.

Vor dem Ausbruch eines Erdbebens, eines Vulkans schweigen die Vöglein genauso. Und die Geliebte? Falls es ein Liebesgedicht ist. Sie wartet und singt. Während die Vöglein im Walde schweigen. Auch sie findet bald die Liebesruhe. Es ist nur allzu verständlich, wenn der Dichter bei Erneutem lesen nach über 50 Jahren einen anderen Schluss zieht. Den Text auf sich bezieht, wie jeder andere Leser. Das macht ein Gedicht aus. Es immerwieder anders zu lesen. Es ist die Aufgabe des Gedichtes äquivok zu wirken. Bei jeder neuen Lesung, jeder neuen Deutung, Interpretation entsteht ein neues Bild.

Und nun tritt der alte Dichter an sein Denkmal und fragt und erinnert. Wie weit erinnert er? Kann er so viele Jahre zurückerinnern? Ist seine Erinnerung nicht verwischt, verschwommen? Verschattet nach allen Jahren. Wie alle derer, die schon lange den Weg gegangen sind, die nicht der vergangenen Welt erinnern, sondern sich eine Neue, eine eigene Welt schufen. Der Mensch, er der Dichter, er Goethe, vom Gipfel als Gipfel ( als Mensch ) der Schöpfung, er reflektiert. Doch was reflektiert er? Die Schöpfung, die Welt? Er reflektiert seine Welt, sein Ich und geht diesem nach.

Über allen Gipfeln ist Ruh. Er war dieser Gipfel. Er ist der Gipfel. Kein Hauch, kein Atem ist im hohen Geist zu spüren. Kein Leid, kein Schmerz. Es ist nichts zu spüren. Alles ist Ruhe, Verstummen, Verschweigen.

Es liegt etwas dazwischen. Zwischen Dasein und Zukunft. Zwischen Vogelgezwitscher vorher und nachher. Vielleicht ist es nur der Schlaf der Vögel, die Abends ihr Singen beenden und Frühmorgens neu beginnen. Es ist Dunkel, Nacht. Bald legst auch du dich zur Ruhe. Bis der neue Tag anbricht schläft einer höher, über allen Gipfeln und ehe der Hahn kräht ist er über dir, ohne das du auch nur einen Hauch spürst, ist jeder Laut erdrosselt.

 

Was soll hierbei der Titel des Gedichtes: Wanderers Nachtlied? Er singt, der Wanderer, wenn alle Vögel schweigen. Er singt vor Angst im Walde. Wie jeder der Angst hat durch einen Wald zu gehen und der dabei ist, sich Mut zu machen, ein Liedchen pfeift. Der Wanderer kommt von hier nach dort und erzählt seine Geschichte, von der Stille im Wald, von Gipfeln und Wipfeln. Seine Geschichte, sein Lied klingt an jedem Ort anders.

Aber es ist sein Nachtlied. Gerne sah er sich als Wanderer der Herr von Goethe. Aber das Genie musste Leiden. „Ich hab an keinem Orte Ruh“ antwortet er. Deshalb begab er sich hoch hinaus. Über allem die Ruh zu finden. Zwischen Geburt und Tod stand er hoch oben auf dem Gipfel. Über allen Gipfeln ist Ruh. Hoch oben vor seinem Schöpfer. Er das endliche Geschöpf, als schöpfendes Geschöpf vor dem Schöpfer, schöpfte dieses Gedicht. Riss es aus dem Geschicht des Gebirges, riss es aus der Erde, wie eine Quelle die er dem Stein entriss, in einer Hoffnung an einen Stein, jene Frau von Stein.

Ich möchte hier nicht auf die zahlreichen wissenschaftlichen Interpretationen eingehen, die Form, Metrum, Jambus, Spondeus usw. dieses oder jenes Gedichtes berücksichtigen. Die vom Reinen Gedicht ablenken mit wissenschaftlichem Wissen. Das Gedicht, den Herrn von Goethe, hochheben oder fallen lassen, indem sie das Sprachphilosophische Können herausarbeiten.

 

Komme ich zurück zum Gedicht.

Die Natur schweigt. Und warum schweigt die Natur? Diese Frage stellt auch Paul Celan, beim Gang durchs Gebirg. Er hoffte auf eine Antwort, ein Treffen mit einem gewissen Adorno. Der nicht da war, der schwieg, der nicht sprach. Schwieg auch der Stein und es war still, still oben im Gebirg. Schweigt der Stock und schweigt der Stein und das Schweigen ist kein Schweigen. Zu wem redet der Stein, er redet nicht, er spricht und wer spricht, der redet zu niemand. Hörst du sagt er, mit der heruntergebrannten Kerze, auf dem Weg zu mir hier oben. Aber der Stein sprach, der sprach und zu wem sprach der Stein? Dieser Stein zu dem Goethe sprach; der Bergwerkskommissar Goethe der sprach zum Stein, nämlich zu Charlotte von Stein am 6. Sep. 1780. „Es ist keine Ruhe mehr“ sprach er. Der Leser wird gewarnt. Vor dem Einschlummern. Vor dem ewigen Schlaf. Er ist sich bewusst und wird nun nicht wagen vorher einzuschlafen.

Ist dieses Gedicht ein hohes Lied oder zählt es zur Bukolik, der Hirtendichtung? Auch wenn das Gedicht phatos - und gefühlsbeladen ist so zeigt es von einer realistischen Naturdarstellung, einer romantisch verklärten einer niederen Alltagswelt. Der kulturell und literarisch hochgebildete von Goethe blickt aus große Distanz und Höhe auf die ach so einfach gestrickte Welt herab. Er spricht aus, von Oben als Schöpfer. Eine Antwort? Was wollte er für eine Antwort und von wem. Nicht einmal von Frau Stein an die der Text sich wohl richtete, einer Antwort von jeder Seite wusste ein von Goethe immer und zu jeder Zeit präzise auszuweichen. Er war Apollon der Gott der Dichtkunst ( das sich in diesem der Ziegenhirte Lykidas verbarg hätte Goethe sicherlich bestritten).

Da sah er sich doch eher in einer Nachfolge Petrarcas.

Petrarca bestieg den Mont Ventoux, ebenfalls auf der Suche nach neuer Erfahrung. Dazu nahm er ein Buch mit: die Confessiones des Augustinus.

Dort las er (auf dem Berg) „und es gehen die Menschen hin, zu bewundern die Höhen der Berge und die gewaltigen Fluten des Meeres und das Fließen der breitesten Ströme und des Ozeans Umlauf und die Kreisbahnen der Gestirne – und verlassen dabei sich selbst.“

Hat Petrarca sich dort verlassen? Ja. Hat Goethe sich auf dem Gipfel verlassen? Ich glaube mit Bestimmtheit sagen zu können Nein.

Goethe war in der Naturerkennung hin und hergerissen zwischen Glaube und Wissen. Er versuchte diesen Glauben und dieses Wissen zu vermitteln. Er ließ sich von der Mystik seiner Naturerkennung nicht beirren. Am 22. Mai ließ er seinen Werther sagen: Ich kehre in mich selbst zurück, und finde eine Welt!

Zog es ihn vom Gegensatz der Stadt und den Schlössern aufs Land und ins Gebirg, stimmungsatmend den neuen Wert des einfach natürlichen zu erleben oder sich über diesem zu erheben. Der sentimentalen Verklärung des Einfachnatürlichen entgegenzusteuern, sich abzusetzen. In die Höhe zu klimmen um Gott/Teufel ähnlich zu werden.

Hier zu suchen die ideale, die heile Welt.

Er verknüpfte hiermit Erwartungen nur um diese postwendend wieder in Frage zu stellen.

Empfand er dort draußen, dort oben das einfach natürliche Gefühl der Sterblichkeit?

Wanderers Nachtlied beschreibt: Warte nur balde ruhest auch du. Diese Worte trösten. Sie sprechen einen Traum aus von einer Welt in der es anders wäre. Der Text erzählt von einer Realen Welt und enthält gleichzeitig den Bezug zu deren Verneinung.

Dieser Text ist schön. Unheimlich schön. Einem Wohlgefallen das ganz und besonders interesselos ist. Aber dieser Text ist auch nicht zu trennen vom Verschweigen. Er legt zugrunde eine Vorstellung einer Welt die den Frieden verweigert. Diese Einstellung ist nicht jedem flüchtigen Leser klar.

Das Subjekt steht mit aller Unruhe, Verdrossenheit und Müdigkeit auf dem Berg gegenüber unbezweifelter Existenz.

Ich leide, also bin ich.

Dieses symbolhafte Goethes und des lyrischen Textes symbolisch am Berg. Dieser himmelwärts gerichtete Ton

( innengewandte Subjektivität )

Das Leiden des lyrischen Ich.  Die Lyrik dieses Gedichtes, ist der Diskurs, seine semantische Dunkelheit rationell zu erhellen. Eine Lichtung zu finden im Abgrund in den der blickt, der auf dem Berg steht.

Die Selbstreflexion des Leidenden mit seiner hypochondrischen Syntaxverdopplung: Ich leide also bin ich. Dies zeigt den Weg, den Goethe machte, im Dichterischen von Herder zu Klopstock. Also doch von der Romantik und wie bei allen Romantikern die eine Verbindung zu diesen strickt ablehnen.

Das Wesen dieser Dichtung ist Phänomen des Parallelismus von Subjekt und Ästhetik.

Der Wanderer erkennt sich selbst. Einschließlich seines Schmerzes und gleichzeitig seiner Empfindung von Lust.

 

Es ist Ruh über den Gipfeln. Nicht ein Traumloser Schlaf. Nur Ruhe und noch unentdecktes Land. Ruhe ist das Losungswort. Der Inhalt aller großen Religionen, insbesondere der Fernöstlichen, ist der Inhalt von Frieden. Das Leben darüber, über allem. Es geht um das Über-Leben, das überleben, das Über Leben. Das Meer und die Flüsse sind unten. Das Leben ist unten.

Das wichtigste war zu erkennen und Erkennen hatte mit Gott zu tun und wo, war man als Mensch, Gott am nächsten, auf dem Gipfel. Hier würde man neue Erfahrung machen und eine neue Weltsicht haben, wie heute ein Raumfahrer. Aber haben diese wirklich eine NEUE Weltsicht? Haben sie dort nicht lediglich sich selber erkannt, was auf der Erde ohne weiteres möglich gewesen wäre? Zu sich selbst gekommen. Himmelwärts objektiv gerichtet, binnenwärts zur Subjektivität. Der Wanderer erkennt sich selbst. Der Raumfahrer sieht nur den schwarzen Raum und die ästhetisch, schöne Erde, hell. Das Subjekt in Unruhe, Verdrossenheit, Müdigkeit gegenüber unbezweifelter Existenz. Überall ist Dunkelheit und Ruhe und zwischen Subjekt und Ästhetik, zwischen Schmerz und Lust ist das Erhellen. Aus der Höhle zum Licht. Das Lied der Nacht als Feier universeller Ruhe ( Emil Staiger ). Wer betrachtet wen?

Betrachtet Goethe Gott oder fühlt er sich beobachtet? Er findet Welt und reflektiert sich selbst. Die Vöglein schweigen dazu, die Natur spricht also nicht, es ist die Unterlassung der Rede.

Das Sprechen übernimmt der Dichter indem er mitteilt, er spürt nur einen Hauch. Einen Hauch des Traumes, des Apollinischen das ihn umschwebt. Nicht das Dionysische, das hat er durchschritten. Durch sein Sprechen spricht er von Ruhe. Der Übergang von der Natur zum Mensch ist der Verlust der Naturspezifischen Ruhe. Es ist die Unruhe.

 

Das Gedicht handelt vom Schweigen und was verschweigt ist ganz Schrift. Berge und Schrift: Die Berge sind stumme Lehrer, sie machen den Beobachter stumm. Berge reden nicht. Der Mensch steht zu diesem Berg im Zwielicht. Der Mensch als Subjekt ist Beobachter der Natur die er erfasst und gleichzeitig aus ihr herausfällt. Er erkennt sich als Mensch mit Sprache und Vernunft. Hauch und Atem (Pneuma ) sind Seele sind Tod. Heidegger beschreibt dies als Mensch als lyrisches Subjekt einer Natur nimmt sich selbst vorweg.

Die angekündigte Ruhe ist eine Drohung. Sie bezeichnet eine hier noch vorhandene romantische Todessehnsucht. Die Ruhe des sich selbst ansprechenden. Ein paradoxer Sprechakt. Die Ruhe des apollinischen Schlafs des Traums und dessen Bruder, der Tod, der hier als Drohung sehr wohl gemeint ist. Die Todessehnsucht.

Die Gedichtbücher der Romantiker voller Sonnenuntergänge. Auch Dante blieb auf dem Vulkan um anderen Tags den Sonnenaufgang zu sehen.

Sonnenuntergänge, Heidelandschaften, Alpenlandschaft.

Das war diese Romantik.

 

Der Romantiker lehnt sich auf gegen die  Veränderungen des Lebens, gegen die Macht der Zeitläufe und am Ende unterliegt er.

Der Dichter schreibt sein Gedicht noch einmal. Er erinnert.

Erinnert einer Begegnung von „Einmal“.

Noch einmal romantisch Gedanken nachgehen, geht das?

Trifft er nicht romantisch neue Gedanken längst Vergangenem.

Selbstmitleid. Das Subjekt in Unruhe, Verdrossenheit, Müdigkeit gegenüber unbezweifelter Existenz. Überall ist Dunkelheit und Ruhe und zwischen Subjekt und Ästhetik, zwischen Schmerz und Lust ist das Erhellende.

 

 

 

Aachen, 2006-09-03

© 2006    MANFRED H. FREUDE

www.myblog.de/freude

 

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Über allen Wipfeln ist Ruh

Gleiches

 

Oben Ruh

Unten Du

 

© 2006    MANFRED H. FREUDE

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